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Durch KI MENSCHLICHER werden?

Der Mensch als informationsverarbeitendes System – und KI als sein Werkzeug

Ein Sonntagnachmittag. Draußen ist es still. Zeit für einen Gedanken, der mir seit Tagen durch den Kopf geht: Wir reden über künstliche Intelligenz, als wäre sie etwas völlig Neues, Fremdes, das plötzlich in unsere Welt einbricht. Dabei übersehen wir etwas Fundamentales. Der Mensch war schon immer ein informationsverarbeitendes System. Lange bevor die ersten Algorithmen liefen, haben wir Daten gesammelt, strukturiert, weitergegeben. Wir sind soziotechnische Systeme, die durch Interaktion mit Werkzeugen und anderen Menschen funktionieren. Die Frage ist nicht, ob KI uns verändert. Die Frage ist, wie wir sie nutzen, um besser zu funktionieren.


Informationsverarbeitung ist kein neues Phänomen


Betrachten wir die Berufe, die unsere Gesellschaft prägen. Buchhalter erfassen Zahlen, kategorisieren sie, erstellen Berichte. Lehrer bereiten Wissen auf, strukturieren es didaktisch, vermitteln es weiter. Sekretärinnen koordinieren Termine, filtern Informationen, leiten sie an die richtigen Stellen. Call-Center-Mitarbeiter nehmen Anfragen entgegen, suchen in Datenbanken nach Lösungen, geben standardisierte Antworten. Juristen durchforsten Akten, destillieren relevante Fakten, wenden Regelwerke an. All diese Tätigkeiten haben eines gemeinsam: Sie basieren auf der Verarbeitung von Informationen.


Was wir heute als “Wissensarbeit” bezeichnen, ist im Kern nichts anderes als das Sammeln, Filtern, Strukturieren und Weitergeben von Daten. Der Mensch fungiert dabei als Prozessor, der Input in Output verwandelt. Manche dieser Prozesse sind kreativ, andere repetitiv. Manche erfordern Empathie und zwischenmenschliche Kompetenz, andere folgen strikten Regelwerken. Doch alle sind Teil eines größeren soziotechnischen Systems, in dem Menschen, Werkzeuge und Organisationen zusammenwirken.


Die Frage, die Fortschritt antreibt


Hier liegt der entscheidende Punkt. Fortschritt entsteht nicht durch Antworten. Fortschritt entsteht durch Fragen. Wenn wir aufhören zu fragen, stagnieren wir. Wenn wir uns darauf beschränken, fertige Antworten zu konsumieren, verkümmert unsere Fähigkeit, selbst zu denken. Lernen ist kein passiver Akt des Informationskonsums. Lernen ist ein aktiver Prozess, der unser Gehirn fordert, herausfordert, aktiviert.


Die Gefahr bei der Nutzung künstlicher Intelligenz liegt nicht in der Technologie selbst. Die Gefahr liegt darin, dass wir beginnen, KI als Ersatz für Denken zu betrachten. Dass wir aufhören, Fragen zu stellen, weil wir uns auf vorgefertigte Antworten verlassen. Dass wir den mühsamen Prozess des Suchens, Abwägens, Zweifelns durch schnelle Lösungen ersetzen. Doch gerade dieser Prozess ist es, der uns weiterbringt. Auf der Suche nach Antworten stoßen wir auf neue Fragen. Diese neuen Fragen führen uns zu Erkenntnissen, die wir ohne den Umweg nie erreicht hätten.


Man könnte sich fragen, wann die Idee der künstlichen Intelligenz überhaupt entstanden ist. Vielleicht saß jemand vor einem Computer und stellte die Frage: Warum kann diese Maschine nicht antworten? Die Frage klingt trivial. Doch aus dieser trivialen Frage entwickelte sich ein ganzes Forschungsfeld, das heute unsere Arbeitswelt verändert. Ohne die Frage gäbe es keine Antwort. Ohne den Drang, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen, gäbe es keinen Fortschritt.


Die Rolle der KI: Werkzeug, nicht Meister


Wenn wir akzeptieren, dass der Mensch bereits ein informationsverarbeitendes System ist, dann wird klar, was künstliche Intelligenz sein sollte: ein Werkzeug zur Optimierung dieses Systems. Nicht ein Ersatz für den Menschen. Nicht eine Instanz, die Entscheidungen für uns trifft. Sondern ein Instrument, das uns von repetitiven, monotonen, menschenunwürdigen Tätigkeiten befreit.


Nehmen wir das Beispiel eines Call-Centers. Fragen Sie die Menschen dort, ob sie zufrieden sind mit ihrer Arbeit. Die Antwort wird in den meisten Fällen ernüchternd ausfallen. Stunde um Stunde beantworten sie dieselben Fragen, folgen denselben Skripten, bewältigen denselben Frust unzufriedener Kunden. Die Arbeit fordert keine Kreativität, keine Problemlösungskompetenz, keine tiefere menschliche Interaktion. Sie ist mechanisch. Entfremdend. Und genau hier sollte KI ansetzen.


Eine gut trainierte KI kann Standardanfragen bearbeiten, einfache Probleme lösen, Informationen bereitstellen. Sie kann die Aufgaben übernehmen, die ohnehin keiner gerne macht. Was bleibt für den Menschen? Die komplexen Fälle. Die Situationen, in denen Empathie gefragt ist. Die Momente, in denen es um mehr geht als um das Abarbeiten einer Checkliste. Hier kann der Mensch das tun, was er am besten kann: Verstehen. Mitfühlen. Kreativ denken.


Befreiung durch Technologie


Die Idee ist nicht neu. Schon die industrielle Revolution versprach, den Menschen von körperlicher Schwerstarbeit zu befreien. Maschinen sollten die Drecksarbeit übernehmen, damit der Mensch sich höheren Tätigkeiten widmen kann. Die Realität war komplizierter. Doch die Grundidee bleibt gültig: Technologie sollte dem Menschen dienen, nicht umgekehrt.


Künstliche Intelligenz bietet uns eine ähnliche Chance. Sie kann uns von Arbeiten befreien, die unserem Potenzial nicht gerecht werden. Sie kann repetitive Prozesse automatisieren, sodass wir uns auf das konzentrieren können, was uns als Menschen auszeichnet: Kreativität, soziale Kompetenz, kritisches Denken. Doch dafür müssen wir KI als Werkzeug begreifen. Als Hilfsmittel, das wir kontrollieren, nicht als Instanz, die uns kontrolliert.


Die Hirten der künstlichen Intelligenz


Vielleicht sollten wir uns in der Zukunft als Hirten der künstlichen Intelligenz verstehen. Wir geben die Richtung vor. Wir stellen die Fragen. Wir bewerten die Antworten. Die KI liefert Daten, Vorschläge, Lösungsansätze. Doch die Entscheidung, was wir damit anfangen, liegt bei uns. Diese Rolle erfordert Bildung. Sie erfordert Medienkompetenz. Sie erfordert die Fähigkeit, kritisch zu denken und Informationen zu bewerten.


Wenn wir diese Fähigkeiten vernachlässigen, wenn wir uns darauf verlassen, dass KI für uns denkt, dann werden wir nicht zu Hirten. Dann werden wir zu Getriebenen. Dann verlieren wir die Kontrolle über ein Werkzeug, das eigentlich dazu gedacht war, uns zu dienen.


Menschlichere Tätigkeiten


Die Vision ist nicht, dass KI uns arbeitslos macht. Die Vision ist, dass KI uns ermöglicht, menschlicher zu arbeiten. Dass wir uns von sinnentleerten Routinen befreien und Tätigkeiten nachgehen, die uns erfüllen. Dass wir Zeit haben für das, was wirklich zählt: zwischenmenschliche Beziehungen, kreative Prozesse, die Suche nach Antworten auf Fragen, die noch niemand gestellt hat.


Das erfordert ein Umdenken. Es erfordert, dass wir aufhören, Arbeit nur als Mittel zum Broterwerb zu sehen. Es erfordert, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht als Ressourcen betrachten, die man durch billigere Algorithmen ersetzen kann, sondern als Menschen, deren Potenzial durch die richtige Technologie entfaltet werden kann.


Ein persönlicher Schluss


Es ist Sonntagmorgen. Die Gedanken kreisen. Vielleicht wirkt diese Überlegung philosophisch, vielleicht zu idealistisch. Doch ich glaube, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Wir können künstliche Intelligenz nutzen, um uns selbst zu optimieren, um besser zu funktionieren als soziotechnisches System. Oder wir können zulassen, dass sie uns ersetzt, dass sie unsere Fähigkeit zu denken, zu fragen, zu zweifeln verkümmern lässt.


Die Wahl liegt bei uns. Nicht bei der Technologie. Die Maschine stellt keine Fragen. Sie wartet auf unsere Anweisungen. Sie ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug liegt es an uns, wie wir es einsetzen. Ob wir es nutzen, um uns zu befreien. Oder ob wir uns von ihm beherrschen lassen.


#selbst gedacht, selbst durchdacht, geschrieben mit KI


Einen schönen Sonntag.

 
 
 

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