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Warum unstrukturierte Daten die teuerste Falle bei der KI-Einführung sind

Die meisten Unternehmen scheitern nicht an der KI-Technologie selbst. Sie scheitern daran, dass sie ihre Daten in einem Zustand belassen, der jeden Algorithmus zur Verzweiflung treibt. Wer heute noch glaubt, man könne einfach Word-Dokumente und PDFs in ein KI-System werfen und erwarten, dass es funktioniert, der hat das Grundprinzip von Large Language Models nicht verstanden.

Die Wahrheit ist brutal einfach: Unstrukturierte Daten kosten Geld, senken die Zuverlässigkeit und produzieren Ergebnisse, die niemand gebrauchen kann. Strukturierte Daten hingegen steigern die Genauigkeit massiv und senken die Kosten erheblich. Der Unterschied zwischen beiden entscheidet darüber, ob ein KI-Projekt zum Produktivitätswerkzeug wird oder zur teuren Spielerei verkommt.



Das Problem beginnt nicht bei der KI, sondern bei den Daten

Wenn wir über Daten in Unternehmen sprechen, reden wir nicht über relationale Datenbanken. Dass ein Kunde unterschiedliche Umsätze hat, dass eine Rechnung zu einem Kunden gehört, dass ein Produkt von vielen Kunden gekauft wurde – das ist strukturiert, organisiert, maschinenlesbar. Solche Daten sind das Fundament klassischer Geschäftssoftware.

Aber das ist nicht das, womit Large Language Models arbeiten. LLMs verarbeiten Text, Dokumente, Wissen in seiner unstrukturiertsten Form. Und genau hier liegt das Drama: Die wertvollsten Informationen eines Unternehmens schlummern in PDFs, in Word-Dokumenten, in E-Mails, in Notizen. Diese Daten sind nicht nur unstrukturiert, sie sind in einem Format gefangen, das für KI-Systeme eine Zumutung darstellt.

Eine PDF-Datei ist im Grunde eine visuelle Darstellung von Informationen. Das Layout, die Formatierung, die Position der Elemente auf der Seite – all das hat nichts mit dem eigentlichen Inhalt zu tun. Eine LLM muss sich durch diese Layoutebene hindurchkämpfen, den Text extrahieren, die Struktur erraten und dann hoffen, dass sie die richtigen Zusammenhänge erkennt. Das kostet Zeit, das kostet Tokens, das kostet Geld. Und es produziert Fehler.


Die versteckten Kosten der Bequemlichkeit

Viele Unternehmen denken, die KI-Modelle würden schon irgendwann in der Lage sein, auch unstrukturierte PDFs perfekt zu lesen. Das ist un trugschluss. Natürlich werden die Modelle besser. Aber selbst wenn sie irgendwann jede PDF fehlerfrei verarbeiten könnten, bleibt ein fundamentales Problem: Es braucht deutlich mehr Rechenleistung, mehr Zeit und damit mehr Geld, um Informationen aus hundert PDF-Dokumenten zu extrahieren, als aus hundert strukturierten Markdown-Dateien.

Der Unterschied ist messbar. Eine gut strukturierte Markdown-Datei lässt sich von einer LLM in Sekundenbruchteilen durchsuchen. Eine PDF muss erst geparst, analysiert und interpretiert werden. Multiplizieren Sie das mit der Anzahl der Dokumente in Ihrem Unternehmen, und Sie verstehen, warum die Tokenkosten explodieren.

Dazu kommt die Fehlerquote. Unstrukturierte Daten bedeuten, dass die KI raten muss. Sie muss interpretieren, wo eine Information endet und die nächste beginnt. Sie muss erraten, welche Überschrift zu welchem Absatz gehört. Sie muss vermuten, ob eine Fußnote relevant ist oder nicht. Jede dieser Interpretationen ist eine potenzielle Fehlerquelle. Und in einem Geschäftskontext kann ein einziger Fehler teuer werden.



Die Datenpipeline als strategische Notwendigkeit

Hier setzt die Lösung an: Unternehmen brauchen eine Datenpipeline. Das klingt technisch, ist aber im Kern eine einfache Idee. Eine Datenpipeline ist ein System, das dafür sorgt, dass Daten kontinuierlich und systematisch in ein strukturiertes Format überführt werden. Peu à peu, Dokument für Dokument, wird das vorhandene Wissen des Unternehmens in eine Form gebracht, die KI-Systeme effizient nutzen können.

Konkret bedeutet das: PDF-Dokumente werden in Markdown umgewandelt. Aber nicht einfach nur konvertiert. Die Pipeline reichert die Daten an. Sie vergibt Metadaten. Was ist das für ein Dokument? Welche Suchbegriffe sind relevant? Welche Suchanfragen könnten kommen? Welche Keywords beschreiben den Inhalt am besten? Diese Metainformationen machen den Unterschied zwischen einem Datenhaufen und einer Wissensdatenbank.

Selbst wenn ein Unternehmen kein RAG-System einsetzt – was ich übrigens absolut nicht empfehlen würde, ohne eine solche Struktur zu haben – selbst dann ist eine Indexierung unverzichtbar. Eine separate Index-Datei funktioniert wie ein Inhaltsverzeichnis für die gesamte Wissensbasis. Bevor die LLM beginnt, 150 Markdown-Dokumente zu durchsuchen, konsultiert sie zunächst diese Indexdatei. Sie erfährt, wo welche Information liegt, welches Dokument relevant sein könnte, welcher Bereich durchsucht werden muss. Dann geht sie gezielt in die entsprechenden Dokumente und findet die Antwort schnell und präzise.



Datenstrategie für kleine Unternehmen: Der pragmatische Weg

Für kleine Unternehmen klingt das nach einem IT-Projekt, das man sich nicht leisten kann. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade kleinere Organisationen profitieren überproportional von einer durchdachten Datenstrategie, weil sie nicht unter der Last jahrzehntelanger Legacy-Systeme leiden.

Der Einstieg ist einfacher, als viele denken. Es braucht keinen Konzern-IT-Aufwand. Was es braucht, ist ein klares Verständnis dafür, welche Dokumente überhaupt relevant sind. Nicht alles muss strukturiert werden. Beginnen Sie mit den Dokumenten, die am häufigsten gebraucht werden:


  • Handbücher

  • Produktbeschreibungen

  • Interne Prozesse

  • FAQ-Sammlungen

Diese Dokumente durchlaufen den Workflow: Konvertierung in Markdown, Anreicherung mit Metadaten, Indexierung.

Kleine Unternehmen haben einen entscheidenden Vorteil: Sie können schnell entscheiden und schnell umsetzen. Keine endlosen Abstimmungsrunden, keine komplexen Freigabeprozesse. Wer heute anfängt, seine wichtigsten 50 Dokumente zu strukturieren, hat in wenigen Wochen ein funktionierendes System. Und das System wächst organisch mit. Jedes neue Dokument wird direkt im strukturierten Format angelegt. Die Datenpipeline wird zur Gewohnheit.



Der Workflow in der Praxis

Ich habe einen Workflow entwickelt, der genau diesen Prozess abbildet. Er funktioniert für kleinere Projekte genauso wie für größere Vorhaben. PDF-Dokumente werden nicht nur umgewandelt, sondern intelligent aufbereitet. Das System extrahiert Metadaten, identifiziert zentrale Suchbegriffe, antizipiert mögliche Suchanfragen und vergibt Keywords.

Das Ergebnis ist nicht nur eine Markdown-Datei, sondern ein Dokument, das die KI versteht. Ein Dokument, das sie schnell durchsuchen kann. Ein Dokument, das sie in den richtigen Kontext einordnen kann. Und wenn hundert solcher Dokumente existieren, dann hat das Unternehmen keine Dokumentensammlung mehr, sondern eine Wissensdatenbank.

Die Indexdatei ist das Rückgrat dieser Struktur. Sie listet nicht einfach nur Dateinamen. Sie beschreibt, welches Dokument welchen Wissensbereich abdeckt, welche Themen es behandelt, welche Fragen es beantworten kann. Wenn eine LLM eine Anfrage erhält, konsultiert sie zuerst diese Indexdatei. Sie identifiziert die relevanten Dokumente. Dann durchsucht sie gezielt diese Dokumente in Markdown-Format. Das ist schnell, das ist präzise, das ist kosteneffizient.


Warum RAG ohne Struktur zum Scheitern verurteilt ist

Retrieval Augmented Generation, kurz RAG, ist derzeit in aller Munde. Die Idee klingt verlockend: Die KI greift auf die eigenen Unternehmensdaten zu und generiert Antworten auf Basis dieses Wissens. Aber RAG ist kein Wundermittel. RAG ist nur so gut wie die Daten, auf die es zugreift.

Wenn Sie ein RAG-System auf eine Sammlung unstrukturierter PDFs loslassen, wird es Ihnen Antworten geben. Aber diese Antworten werden unzuverlässig sein. Die KI wird Informationen finden, die gar nicht zusammengehören. Sie wird relevante Details übersehen, weil sie im Layout-Wirrwarr untergegangen sind. Sie wird Halluzinationen produzieren, weil sie aus fragmentierten Informationen eine scheinbar kohärente Antwort konstruiert.

Mit strukturierten Daten sieht das anders aus. RAG auf einer Basis von Markdown-Dokumenten mit Metadaten und Indexierung funktioniert zuverlässig. Die KI findet die richtigen Dokumente, extrahiert die korrekten Informationen und produziert präzise Antworten. Das ist der Unterschied zwischen einem KI-System, das man nutzen kann, und einem System, dem man nicht vertrauen darf.


Die Konsequenz für Unternehmen

Wer heute KI einführt, ohne seine Datenstrategie zu überdenken, der baut auf Sand. Die Technologie ist verfügbar, die Modelle sind leistungsfähig, die Tools sind vorhanden. Aber ohne strukturierte Daten bleibt das Potenzial ungenutzt. Mehr noch: Es entstehen Kosten, die vermeidbar wären, und Fehler, die nicht sein müssten.

Die Botschaft ist klar: Strukturierte Daten sind kein Nice-to-have. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass KI in einem Unternehmen funktioniert. Wer glaubt, er könne diesen Schritt überspringen, weil die KI-Modelle ja immer besser werden, der verkennt die Realität. Bessere Modelle bedeuten nicht, dass schlechte Datengrundlagen plötzlich akzeptabel werden. Sie bedeuten nur, dass die Unternehmen, die bereits strukturierte Daten haben, noch schneller und noch präziser arbeiten können.

Die Frage ist nicht, ob Sie eine Datenpipeline brauchen. Die Frage ist, wann Sie damit anfangen.

 
 
 

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