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Bildung verändern

Wir diskutieren in der Bildung immer noch darüber, ob wir ChatGPT oder künstliche Intelligenz an sich verbieten können. Das ist unfassbar. Anstatt die Art von Bildung grundlegend zu verändern, führen wir ernsthaft Debatten darüber, ob man etwas verbieten sollte. Das ist exakt dasselbe, wie früher das Internet verbieten zu wollen oder E-Mails zu untersagen und stattdessen zu verlangen, eine Masterarbeit oder Diplomarbeit mit der Schreibmaschine zu verfassen. Ich finde das furchtbar.


Bildung muss neu erfunden werden. Studierende müssen lernen, dass künstliche Intelligenz ein herausragendes, ein unfassbar leistungsfähiges Instrument für Forschung ist und keine schnelle Schreibmaschine. Wenn man den richtigen Umgang damit erlernt und gleichzeitig eigene Gedanken, wirklich eigene Gedanken, die aus Forschung entstehen, weiterhin mit Büchern, Bibliotheken und klassischen Quellen entwickelt und formuliert, dann ist die Kombination mit KI perfekt.


Forschung bedeutet kritische Fragen zu stellen, Hypothesen zu überprüfen, mathematische Berechnungen durchzuführen, Tests aufzusetzen, Codes auszuprobieren und Experimente zu analysieren. Genau hier ist künstliche Intelligenz Forschung auf höchstem Niveau. Punkt.


Das Gegenargument lautet dann oft, das könne ja alles die KI schreiben. Nein. Wenn ein Student ein Fach abschließt, egal ob es mit einer wissenschaftlichen Arbeit, einer Seminararbeit oder einer Abschlussarbeit verbunden ist, dann prüft ihn mündlich. Die Art und Weise, wie ein Student vor mir sitzt, argumentiert, Fragen beantwortet und Zusammenhänge erklärt, zeigt Lernen genauso deutlich wie ein selbstgeschriebener Text.


Also noch einmal klar gesagt: KI nutzen, ja. Aber nicht als schnelle Schreibmaschine. Wenn jemand eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit schreibt, dann soll dieser Student einen ganzen Tag vor einem Gremium diskutieren. Nicht mit klassischen prüfungsähnlichen Fragen, sondern entlang seines Forschungsthemas, argumentativ, kritisch, tiefgehend. Ein ganzer Tag Diskussion ist wertvoller, als eine 200-seitige Masterarbeit mit Überschriften zu lesen, die am Ende niemand lesen möchte.


Bildung muss sich wegbewegen vom reinen Bestehen sinnloser Prüfungen. Verstehen ist die neue Welt, nicht das Abarbeiten von Leistungsnachweisen. Wer Prüfungen besteht, kann trotzdem nichts verstanden haben und nichts anwenden. Umgekehrt ist das nicht möglich.


Aus diesem Kontext heraus mein klarer Appell: Bildung verändern.


Basar Seven

 
 
 

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