Change Management bei KI-Projekten: Menschen mitnehmen
- Basar Seven
- 27. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Die Präsentation ist fertig, die Pilotphase geplant, das Budget freigegeben. Dann fällt in der Teambesprechung ein Satz: „Und was passiert mit meinem Job?" Plötzlich geht es nicht mehr um Software.
Zwei Drittel der deutschen KMU berichten von solchen Momenten – von Vorbehalten, die kein technisches Handbuch auflöst. Was auffällt: Die meisten Projektpläne enthalten Milestones und Implementierungsphasen. Was sie selten enthalten, ist Raum für die Frage, was die Veränderung eigentlich bedeutet.
Dabei liegt genau hier der Unterschied zwischen Projekten, die technisch funktionieren, und solchen, die tatsächlich ankommen.
Zwei Drittel der deutschen KMU berichten von Vorbehalten gegenüber KI-Projekten – eine Zahl, die weniger überrascht, wenn man typische Projektpläne betrachtet: Budgets, Milestones, Implementierungsphasen. Was regelmäßig fehlt, ist die Frage, was die Veränderung für den konkreten Arbeitsalltag bedeutet. Dabei zeigt sich in der Praxis: Change Management bei KI ist keine Phase nach der technischen Einführung, sondern die eigentliche Arbeit.
Skeptische Stimmen im Team sind kein Störfaktor, sondern oft die besseren Fragesteller. Entscheidend für Akzeptanz sind nicht verordnete Quick Wins, sondern selbst entdeckte Erleichterungen: der Moment, in dem eine Aufgabe plötzlich fünf Minuten statt zwei Stunden dauert. Solche Erfahrungen entstehen durch geschützte Räume zum Ausprobieren – und durch Führungskräfte, die selbst mitmachen.
Die folgenden Abschnitte zeigen, wie dieser Wandel gelingt: von der frühen Betriebsrats-Einbindung über realistische Zeitbudgets bis zur Vorbildfunktion der Geschäftsleitung.
Warum die meisten KI-Einführungen an einer Frage scheitern, die niemand stellt
Zwei Drittel der deutschen KMU berichten von Vorbehalten ihrer Mitarbeitenden gegenüber KI-Projekten. Diese Zahl überrascht weniger, wenn man sich ansieht, was in typischen Projektplänen steht: Implementierungsphasen, Budgets, technische Milestones. Was fehlt, ist eine Frage: Was bedeutet das eigentlich für den Alltag von Frau Müller in der Buchhaltung?
Ein Fertigungsbetrieb führte KI-gestützte Angebotserstellung ein. Technisch lief alles in sechs Wochen. Nach vier Monaten nutzten es dennoch erst 30 Prozent der Vertriebsmitarbeiter. Der Grund war nicht die Technik, sondern das Unausgesprochene: Was verlieren diese Menschen, wenn ihre bewährte Methode verschwindet? Change Management bei KI ist keine Phase nach der Implementierung. Es ist die eigentliche Arbeit.
Widerstand ist kein Bug, sondern ein Signal
Die übliche Sprache verrät viel: Widerstände überwinden, Skeptiker mitnehmen. Diese Formulierungen unterstellen, dass Menschen falsch liegen, wenn sie zögern. Dabei haben skeptische Stimmen oft die besseren Fragen.
In einem mittelständischen Dienstleister äußerte die Assistenz der Geschäftsführung Bedenken gegen KI-gestützte E-Mail-Bearbeitung. Nicht aus Technikangst, sondern weil sie wusste: 40 Prozent der eingehenden Mails sind Sonderfälle. Sie hatte recht. Gutes Widerstandsmanagement bedeutet nicht, Bedenken zu zerstreuen, sondern sie in die schrittweise Einführung einzuarbeiten.
Die Logik der kleinen Erfahrungen
Die typische Empfehlung lautet: Starte mit Quick Wins. Das Problem ist, dass Quick Wins oft von oben definiert werden. Was Menschen wirklich verändert, sind entdeckte Erleichterungen, Momente, in denen sie selbst feststellen: Das war tatsächlich einfacher.
Ein Controlling-Team testete KI-gestützte Reporterstellung. Der geplante Quick Win begeisterte niemanden. Der Durchbruch kam anders: Eine Mitarbeiterin stellte fest, dass die KI bei Ad-hoc-Anfragen in fünf Minuten lieferte, wofür sie früher zwei Stunden brauchte. Das war der Moment, in dem KI-Akzeptanz entstand.

Gutes Change Management schafft Räume für solche Entdeckungen. Wer den Betriebsrat frühzeitig einbindet, macht Datenschutz und Mitbestimmung nicht zum Bremsklotz, sondern zum Vertrauensanker.
Was Change Management bei KI wirklich kostet
Niemand spricht über den tatsächlichen Zeitaufwand. Ein mittelständisches Unternehmen mit 150 Mitarbeitern sollte mit acht bis zwölf Stunden pro Woche für Change-Aktivitäten rechnen, über sechs bis neun Monate. Das sind Gespräche, Schulung und Weiterbildung, Feedback-Runden. Wer diese Zeit nicht einplant, sabotiert sein eigenes Projekt.
Ein Großhändler führte KI-gestützte Lagerverwaltung ohne Begleitung ein. Nach vier Monaten: Frustration, Workarounds, ROI negativ. Ein anderes Unternehmen plante wöchentliche Office Hours und monatliche Lessons-Learned-Runden ein. Nach sieben Monaten: 85 Prozent Adoption.
KI-Kultur entsteht durch Verhalten, nicht durch Kommunikation
Kultur entsteht nicht durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was vorgelebt wird. Ein Geschäftsführer eines Maschinenbauers begann, KI-generierte Meeting-Zusammenfassungen zu nutzen. Nicht perfekt, manchmal musste er korrigieren. Aber das Signal war eindeutig: Ich probiere das aus, ich lerne dazu.

Führungskräfte, die KI-Nutzung fordern, aber selbst keine Zeit dafür haben, senden eine andere Botschaft: Das ist für die anderen. Eine KI-Kultur etablieren bedeutet, als Organisation gemeinsam zu lernen, Führungskräfte als Vorbilder eingeschlossen. Das braucht Geduld und die Akzeptanz, dass Veränderung nicht linear verläuft. Ängste abbauen gelingt nicht durch Argumente, sondern durch Erfahrung. Es funktioniert, wenn man versteht, dass es keine technische Übung ist, sondern eine menschliche.
Die Frage aus der Teambesprechung—„Und was passiert mit meinem Job?"—lässt sich nicht mit Projektplänen beantworten. Sie lässt sich überhaupt nicht beantworten, zumindest nicht endgültig. Was sich ändern kann, ist die Art, wie diese Frage gestellt wird: nicht mehr als Anklage, sondern als gemeinsames Nachdenken.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Unterschied zwischen Projekten, die technisch funktionieren, und solchen, die ankommen: nicht in der Antwort, sondern in der Bereitschaft, die Frage ernst zu nehmen. Was das für Ihr Unternehmen bedeutet, lässt sich nicht verordnen—nur herausfinden.


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