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KI Nutzung in kleinen Unternehmen in Deutschland: Eine strukturelle Analyse der Adoptionsbarrieren

Die Adoptionsdynamik von Künstlicher Intelligenz präsentiert innerhalb der deutschen Wirtschaft eine deutliche strukturelle Spaltung. Nur 19 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzen KI Verfahren aktiv ein (Stand 2024), was einem Zuwachs von acht Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Diese Nutzung steht dem Engagement von Großunternehmen gegenüber, von denen beinahe jedes zweite Unternehmen KI nutzt. Hier manifestiert sich eine signifikante „digitale Schere“. Die tiefste Passivität beobachtet man im kleinsten Segment: Die Hälfte der Kleinstunternehmen plant momentan keine Einführung von KI. Eine solche Zurückhaltung ist bemerkenswert, da dem Mittelstand insgesamt ein Wertschöpfungspotenzial von 30 Milliarden Euro durch KI zugeschrieben wird.


Technologische Realität und Strategische Platzierung

Die Art der KI Nutzung in kleinen Unternehmen in Deutschland reflektiert eine klare Präferenz für unmittelbare, leicht integrierbare Lösungen. Unter jenen KMU, die KI anwenden, dominiert Generative KI mit etwa 73 Prozent eindeutig. Diese Technologie wird primär zur Steigerung der Kreativität und zur Verkürzung der Bearbeitungszeit in unterstützenden Prozessen eingesetzt, beispielsweise für die automatische Texterstellung im Marketing. Der Einsatz prädiktiver KI Systeme hingegen, welche die langfristige Prozessoptimierung wie Predictive Maintenance betreffen, bleibt mit rund 12 Prozent marginalisiert.

Strategisch gesehen korreliert der KI Einsatz direkt mit der Wettbewerbsstrategie: KI wird überdurchschnittlich häufig von Unternehmen genutzt, die eine Innovationsstrategie verfolgen. Die Technologie wird vorrangig als Mittel zur Generierung von Innovationen begriffen. Unternehmen, die sich über Preisführerschaft definieren, zeigen die geringste Adoptionsrate.



Strukturelle Defizite und die Kompetenzlücke

Die zentralen Hemmnisse verhindern die breitere Skalierung der KI Nutzung in kleinen Unternehmen in Deutschland. Die größte Barriere liegt in einem Mangel an Wissen über konkrete Einsatzbereiche, von 27 Prozent der Befragten genannt. Unternehmer sehen das Potenzial, ihnen fehlt jedoch die präzise Vorstellung zur Implementierung im eigenen Wertschöpfungsprozess.

Weitere Hemmnisse sind:

  • Die Sorge vor rechtlichen und regulatorischen Unsicherheiten, ein Problem für 21 Prozent der Unternehmen.

  • Die Wahrung von Datenschutzvorgaben, die für 68 Prozent der Mittelständler eine Haupthürde darstellt.

Die personelle Kompetenzlücke verschärft die Situation: Der Fachkräftemangel zählt für 14 Prozent der Unternehmen zu den Haupthindernissen. Hierbei konzentriert sich die Nachfrage auf hochspezialisierte Kenntnisse: Softwareprogrammierung gilt als Grundvoraussetzung, ergänzt durch Fachwissen in Datenbankmanagement und Mathematik. Dies ist die Folge einer sinkenden Investitionsbereitschaft bei KMU in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie. Diese Lücke ist substanziell, da 43 Prozent der offenen KI Stellen bereits 2019 unbesetzt blieben.

Die strukturelle Überlegenheit des Mittelstands, die sich in den schnellen Entscheidungswege (oft nur sechs Monate bis zur Produktivität) gegenüber Konzernen (bis zu drei Jahre) zeigt, kann nur dann tatsächlich genutzt werden, wenn die Unternehmen die Wissens- und Kompetenzlücken adressieren.


 
 
 

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