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KI Prozessoptimierung: Quick-Wins mit Tools - Short

Freitagabend, kurz vor Feierabend. Der Geschäftsführer eines 20-Personen-Betriebs scrollt durch den fünften LinkedIn-Artikel über KI-Transformation. Die Begriffe verschwimmen: Automatisierung, Machine Learning, Prompt Engineering. Irgendwo dazwischen die Frage, die niemand konkret beantwortet: Wo fängt man eigentlich an, wenn kein IT-Team im Haus sitzt?


Das Paradoxe: Nicht fehlendes Wissen blockiert den Einstieg, sondern zu viel davon – ohne Orientierung. Die Lösung liegt ausgerechnet dort, wo niemand zuerst hinschaut: bei den kleinen Nervigkeiten des Alltags. E-Mail-Chaos, Rechnungsprüfung, Meeting-Protokolle. Aufgaben, die keiner vermisst, wenn sie plötzlich automatisch laufen – und die sich in 90 Tagen umsetzen lassen.


Wer als Mittelständler über KI-Prozessoptimierung nachdenkt, steht vor einem paradoxen Problem: Nicht Informationsmangel bremst den Einstieg, sondern Informationsüberflutung ohne Orientierung. Die entscheidende Frage lautet nicht "Was kann KI?", sondern "Wo fange ich an, ohne zu scheitern?" Die Antwort überrascht: bei nervigen Nebensächlichkeiten, nicht bei strategisch wichtigen Prozessen. E-Mail-Vorsortierung, Rechnungsprüfung, Meeting-Protokolle – Aufgaben, die niemand vermisst und deren Automatisierung psychologisch niedrigschwellig ist.


Was der Artikel ebenso verdeutlicht: Selbst "Quick-Wins" brauchen sechs bis zwölf Wochen. ChatGPT funktioniert als Einstiegstool nicht wegen seiner Mächtigkeit, sondern wegen hoher Fehlertoleranz. Der eigentliche Widerstand kommt nicht am Anfang – er zeigt sich nach acht Wochen, wenn Routinen wegfallen und Mitarbeiter fragen: Was ist jetzt meine Aufgabe?


Die folgenden Abschnitte liefern den konkreten 90-Tage-Fahrplan, Tool-Vergleiche und branchenspezifische Beispiele, die Theorie in umsetzbare Schritte übersetzen.



Warum die meisten beim ersten Gedanken an KI-Prozessoptimierung kapitulieren

Drei Browser-Tabs, drei Versprechen. Ein Artikel über ChatGPT im Vertrieb, einer über Predictive Maintenance, einer über Dokumentenautomatisierung. Ein Geschäftsführer mit 12 Mitarbeitern sitzt davor und stellt die Frage, die keiner beantwortet: Wo fange ich an?


Das Problem ist nicht mangelndes Interesse an Digitalisierung im Mittelstand. Es ist die Kluft zwischen abstrakten Versprechen und konkreter Orientierung. Aus 50 möglichen Ansatzpunkten den einen zu finden, der nicht überfordert—das ist die echte Hürde. Dieser Artikel macht das Gegenteil der üblichen Expansion: Er verengt radikal.



Der Prozess, bei dem Sie nicht scheitern können

Wie wählt man aus, ohne Strategieberater zu sein? Mit einem Negativprinzip: Wo fange ich nicht an? Nicht bei Kernprozessen. Nicht wo Fehler teuer sind. Nicht bei komplexer Entscheidungslogik. Sondern bei nervigen Kleinstaufgaben, die jemand schon jetzt hasst.


Drei Beispiele: E-Mail-Vorsortierung, wobei ChatGPT kategorisiert, aber der Mensch entscheidet. Rechnungseingang prüfen mit KI-gestützter Datenextraktion und menschlicher Validierung. Meeting-Protokolle durch Transkription und Zusammenfassung. Bei allen drei ist das Tool Assistenz, nicht Ersatz.


Basar Sevens Beobachtung aus über 2.500 Schulungsteilnehmern: Die erfolgreichsten Starts passierten bei nervigen Nebensächlichkeiten, nicht bei strategisch wichtigen Prozessen. Dort ist die psychologische Schwelle niedrig, der Lerneffekt hoch.




Drei Tools, die nicht überfordern

Kostenlos klingt nach niedriger Hürde—aber oft bedeutet es steile Lernkurve ohne Support. Kostenlose KI-Tools verschieben Kosten nur: von Lizenzgebühren zu Einarbeitungszeit.


ChatGPT eignet sich für E-Mail-Entwürfe, Protokolle, erste Datenanalyse. Die echten Kosten liegen in der Zeit für Prompt-Verbesserung—rechnen Sie mit zwei Wochen Experimentieren. Zapier verbindet Tools miteinander, etwa E-Mail mit Tabelle. Der Free Plan mit 100 Tasks pro Monat ist bei täglicher Nutzung schnell erschöpft. Make.com bietet mehr Mächtigkeit für komplexere Prozesse.


Keine dieser Lösungen ist wartungsfrei. Starten Sie mit ChatGPT—nicht weil es am mächtigsten ist, sondern weil die Fehlertoleranz am höchsten ist.


90 Tage bis zum ersten messbaren Erfolg

Alle reden von Quick-Wins, aber selbst die brauchen sechs bis zwölf Wochen. Nicht weil die Technologie langsam ist, sondern weil Systeme Zeit brauchen.


Woche eins bis zwei: Experimentieren und Scheitern. Das Tool tut nicht, was man dachte. Normal, keine Krise. Woche drei bis vier bringt eine erste Version—für 70 Prozent der Fälle. Woche fünf bis acht bedeutet iteratives Verbessern. Hier scheitern die meisten: Sie erwarten 100 Prozent und geben bei 70 auf. Erst Woche neun bis zwölf zeigt messbare Effizienzsteigerung: Angebotserstellung dauert statt 45 Minuten nur 20—bei 12 Angeboten pro Woche sind das fünf Stunden.




Was niemand zugeben will: Der Widerstand kommt später


Change Management von Anfang an klingt gut, trifft aber nicht die Realität. In Woche eins bis vier ist die Stimmung positiv. Der Widerstand kommt in Woche acht bis zehn, wenn sich Routinen ändern müssen.


Ein Vertriebsmitarbeiter, der jahrelang E-Mails manuell sortiert hat. ChatGPT macht das jetzt in zwei Minuten. Seine Reaktion ist nicht Freude, sondern Unbehagen: Was ist jetzt meine Aufgabe? Wenn das Werkzeug den nervigen Teil übernimmt, wird sichtbar, wie viel Zeit in Routine statt Wertschöpfung floss.


Basar Sevens Empfehlung: Kommuniziere nicht "KI ersetzt Routinearbeit", sondern "KI zeigt, wo wir unterfordert waren". Plant die zweite Gesprächsrunde ein—nicht vor dem Projekt, sondern nach acht Wochen, wenn die Veränderung real wird.


Der Geschäftsführer aus der Einleitung sitzt vielleicht immer noch freitagabends vor seinem Bildschirm. Aber die Begriffe verschwimmen nicht mehr ganz so stark. E-Mail-Chaos, Rechnungsprüfung, Meeting-Protokolle—das sind keine abstrakten KI-Projekte mehr, sondern konkrete Ansatzpunkte. Kleine Nervigkeiten, die niemand vermisst, wenn sie verschwinden.


Was bleibt, ist eine Erkenntnis, die sich schwer in LinkedIn-Posts packen lässt: Der Einstieg in KI-Prozessoptimierung beginnt nicht mit der richtigen Technologie. Er beginnt mit der ehrlichen Frage, welche Aufgabe im eigenen Alltag eigentlich niemand gerne macht—und ob man bereit ist, sich von der Routine zu verabschieden, die man insgeheim längst überwunden glaubte.

 
 
 

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